Friedrich Ani : « Ermordung des Glücks »

Der zweite Fall für Exkommissar Jakob Franck

| Cité 29/05/2018 | 18:30

Eintritt frei.Reservierung per Telefon oder per Email im Rahmen der verfügbaren Plätze.Wir danken Ihnen für Ihre Reservierung per Telefon: 4796-2732 oder Email: bibliotheque@vdl.luVortrag in deutscher Sprache.In Zusammenarbeit mit dem Institut Pierre Werner (IPW), und des Cercle Cité stellt die Cité-Bibliothèque diesen Dienstag Friedrich Ani und sein Buch « Ermordung des Glücks » vor.

Friedrich Ani, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Gedichte, Jugendbücher, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Sein Werk wurde mehrfach übersetzt und vielfach prämiert, u. a. mit dem Deutschen Krimi Preis, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis. Seine Romane um den Vermisstenfahnder Tabor Süden machten ihn zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Kriminalschriftsteller. Friedrich Ani ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und des Internationalen PEN-Clubs. Sein Roman « Der namenlose Tag » (2015), ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimi Preis und dem Stuttgarter Krimipreis, markierte Anis Wechsel zu Suhrkamp. Sein zweiter Roman, « Nackter Mann, der brennt », erschien im Sommer 2016. Seit 2015 ist Friedrich Ani auch mit seinen Theaterstücken im Suhrkamp Theater Verlag vertreten. 

In seinem neuen Roman « Ermordung des Glücks » befasst sich Friedrich Ani mit einer weiteren wichtigen Frage: Was macht diese Tat mit den Überlebenden? Mit einer leisen Szene lässt Friedrich Ani seinen neuen Roman « Ermordung des Glücks » beginnen. Ein älterer Mann betritt ein Café. Eigentlich ­möchte ihn die Wirtin gar nicht hereinlassen, denn sie spürt, dass er schlechte Nachrichten bringt. Und leider stimmt ihr Gefühl. Nun weiß sie offiziell, dass ihr elfjähriger Sohn Lennard, der vor fünf Wochen spurlos verschwand, tot ist. Ermordet.
Für Tanja Grabbe, die ­Mutter des Jungen, bricht eine Welt ­zusammen. Der Junge war der Mittelpunkt ihres Lebens, und sein Tod ist für sie tatsächlich die ­Ermordung des Lebensglücks.

Völlig aus der Bahn geworfen

Ani beschreibt eindringlich, wie der Frau ihr Leben entgleitet. Sie zieht sich völlig in die Erinnerung an ihren Sohn zurück. Niemand dringt mehr zu ihr durch, weder ihr Mann noch ihr ­Bruder, der ihr sonst sehr nahesteht. ­Einer der Polizisten, die sich bemühen, den Mord aufzuklären, fasst ihren Zustand zusammen: « Sie kippt aus der Welt. Wir haben sie mit dem Tod ihres Sohns allein gelassen, und ihr bleibt nichts, als darin zu versinken. »

Aber nicht nur Tanja Grabbe wird durch den Tod des Jungen aus der Bahn geworfen, sondern auch der Mann, der ihr die Todesnachricht überbrachte. Dieser Mann ist Jacob Franck, vor seiner Pensionierung viele Jahre Leiter der Münchner Mordkommission, der es sich nun zur Aufgabe gemacht hat, Hinterbliebenen die Nachricht vom Tod eines Angehörigen zu überbringen. Franck war bereits in Anis Roman « Der namenlose Tag » von einem ungeklärten Todesfall so ergriffen, dass er seine ­gesamte Intuition und sein kriminalistisches Gespür aktivierte, bis er schließlich den Fall gelöst hatte.

Vielschichtiger Roman

Auch in « Ermordung des Glücks » gibt sich der introvertierte Einzelgänger Franck redliche Mühe, seinen früheren Kollegen bei der Aufklärung des Falls zu helfen. Vor allem aber will er Tanja Grabbe in ihrer unendlichen Trauer etwas Stabilität geben. Immer tiefer verbeißt er sich in den Fall und fürchtet bisweilen um sein eigenes seelisches Gleichgewicht. Ein Roman, dessen Handlung von einem Mord ausgelöst wird, ist immer auch ein Kriminalroman, und die Suche nach dem Täter nimmt so auch in « Ermordung des Glücks » einigen Raum ein. Franck ist zwar nicht mehr offiziell im Dienst, aber er weiß, wie man mit Menschen spricht, die etwas gesehen haben könnten.

Dabei fördert er einige überraschende Erkenntnisse zutage. Vor allem aber trifft er Menschen, die ebenso verloren sind wie Tanja Grabbe und für die Glück auch nur noch eine ferne Erinnerung ist. Mit « Ermordung des Glücks » ist Friedrich Ani ein vielschichtiger Roman gelungen, der von feiner Charakterzeichnung und subtilem Spannungsaufbau lebt. Ani ist gerade mit dem Sonderpreis des Crime Cologne Award für seine Verdienste um den deutschsprachigen Kriminalroman ausgezeichnet worden. « Ermordung des Glücks » ist ein beredtes Beispiel für die besondere Qualität seiner Bücher.

von Axel Knönagel

http://www.op-marburg.de/Lokales/Kultur/Uebersicht/OP-Buchtipp-Friedrich-Ani-Ermordung-des-Gluecks


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